r I Swear
Kirk Jones, GB, Irland, 2025o
Bei John Davidson wurde im Alter von 15 Jahren das Tourette-Syndrom diagnostiziert. Er kämpft sich gegen alle Widerstände durch seine schwierige Jugendzeit und bis ins Erwachsenenalter vor und findet Inspiration in der Freundlichkeit anderer, um seinen wahren Lebenssinn zu entdecken.
Diese britische Tragikomödie trägt dazu bei, das Tourette-Syndrom bekannter zu machen, dessen Opfer von unkontrollierbaren unflätigen Ausbrüchen heimgesucht werden. Zugleich zeigt sie, wie nötig die Aufklärung bleibt. Das wurde bei der letzten Verleihung der britischen Filmpreise deutlich, als John Davidson, dessen Leben die Vorlage für I Swear bildet, durch einen dieser Anfälle für Aufsehen sorgte. Der Film greift ähnliche Momente auf, etwa bei der Verleihung eines Ordens an Davidson durch die Queen. Damit verankert er sich zwar in der Realität, führt jedoch auch auf eine falsche Spur: Während diese Filmeröffnung eine milde Komödie suggeriert, entfaltet sich über weite Strecken ein eher heftiges Drama. Im Zentrum steht der junge John, höflich, wohlerzogen, ein talentierter Goalie und charmanter Schüler, dessen Leben durch immer heftigere Ticks aus der Bahn gerät. Der Film schildert eindringlich das Unverständnis seines Umfelds und die wachsende Isolation in den frühen 1980er Jahren. Erst die krebskranke Psychiatriepflegerin Dottie bringt Empathie und Struktur in Johns Leben, unterstützt vom Hauswart eines Community-Centers, der zu einer wichtigen Bezugsperson wird. In dieser Phase bleibt der Film formelhaft, während er später zu seinen stärksten Momenten findet. Besonders eindrücklich ist ein verbaler Schlagabtausch zwischen dem erwachsenen John und einer ebenfalls betroffenen Jugendlichen, der in befreiendem Humor gipfelt.I Swear findet mit seiner Mischung von Aufklärung und persönlichem Schicksal eine publikumswirksame Rezeptur. Mehr tonale Feinheit und formale Eigenständigkeit hätt man sich dennoch gewünscht.
Michael SennhauserGalerieo
