r Namaste Seelisberg
Felice Zenoni, Schweiz, 2026o
Hoch über dem Vierwaldstättersee liegt das idyllische Seelisberg. 1971 nimmt der indische Guru Maharishi Mahesh Yogi das Dorf samt zwei geschichtsträchtigen Hotelanlagen in Beschlag. Die Einheimischen laufen vergeblich Sturm. Seelisberg wird zum Hauptquartier der «Transzendentalen Meditation», welcher Prominente wie die Beatles und David Lynch folgen. 55 Jahre später steht das Dorf erneut vor einem tiefgreifenden Wandel: Die TM-Bewegung verlässt Seelisberg, ein Immobilienunternehmen will die die Hotels restaurieren.
Namaste Seelisberg von Felice Zenoni dokumentiert ein aussergewöhnliches Kapitel Schweizer Zeitgeschichte: die Jahre, in denen die Bewegung der «Transzendentalen Meditation» (TM) das kleine Urner Dorf Seelisberg prägte. Im Zentrum steht Maharishi Mahesh Yogi (ca. 1918 - 2008), der international bekannte Begründer der TM-Bewegung und einst auch als «kichernder Guru» bekannt. Seine Anhängerschaft kaufte in Seelisberg leerstehende Hotels und machte den Ort zeitweise zu einem wichtigen europäischen Zentrum der global expandierenden spirituellen Bewegung.
Zenoni zeichnet diesen Zusammenprall von weltläufigem Guru-Unternehmertum und schweizerischer Dorfrealität mit viel Sinn für Komik, Ambivalenz und lokale Details nach. Archivmaterial und Gespräche mit ehemaligen und heutigen Beteiligten veranschaulichen, wie die Bewegung Hoffnungen, Misstrauen und handfeste Konflikte auslöste. Zu Wort kommen unter anderen frühere Verantwortliche der TM-Akademie, langjährige Mitarbeitende, ein ehemaliger Chauffeur des Maharishi sowie der Sektenexperte Hugo Stamm.
Der Film bleibt dabei überwiegend in Seelisberg und interessiert sich weniger für eine vollständige Geschichte der TM als für deren konkrete Folgen vor Ort. Er zeigt, wie Seelisberg nach dem Niedergang des klassischen Alpentourismus zunächst von der wohlhabenden Anhängerschaft des Maharishi verändert wurde und wie die einstigen Hotelanlagen später erneut leer standen. Dabei beobachtet Zenoni die Beteiligten mit Respekt, ohne problematische Seiten der Bewegung auszublenden – von ihrer kommerziellen Vermarktung bis zu autoritären Strukturen. So wird Namaste Seelisberg zur dokumentarischen Culture-Clash-Komödie und zugleich zu einem Heimatfilm eigener Art.
Michael Sennhauser
