r Les gardiennes de la planète
Jean-Albert Lièvre, Frankreich, 2023o
Ein Buckelwal ist gestrandet. Während um sein Leben gekämpft wird, entdecken wir die Geschichte dieser aussergewöhnlichen Tiere, erzählt von ihnen selbst. Dabei erweisen sich die Wale mit ihrer geheimnisvollen Kommunikation und ausgeklügelten Kooperation als die Wahrer eines Naturerbes, das vielleicht bedeutender ist als alle menschlichen. – Nach dem Essay-Bestseller Whale Nation von Heathcote Williams.
Filme, die uns mit grandiosen Bildern und klugen Kommentaren die Welt der Tiere näherbringen, gibt es im Fernsehen rund um die Uhr. Kein Wunder daher, dass kaum jemand näher hinblickte, als Les gardiennes de la planète 2023 in die Kinos kam – und die Wale mit dem unglücklich gewählten französischen Titel gleich zu Hütern unseres Planeten stilisierte. Dabei sollte der Film schlicht Whale Nation heissen, so wie seine Inspirationsquelle, der poetische Essay des britischen Alternativkultur-Autors Heathcote Williams, der damit 1988, zwei Jahre nach dem ersten internationalen Walfang-Moratorium, den Nerv der Zeit traf. Noch konsequenter als Williams macht sich der französische Naturfilmer Jean-Albert Lièvre dessen Kunstgriff zu eigen, in der Wir-Form, also ganz aus der Sicht der Wale zu erzählen und damit eine vermeintlich objektive Sicht auf die Tiere auszuhebeln: die Wale für einmal nicht als Objekt unserer (Neu)gier, sondern als souveräne, majestätische Subjekte, die «ihren» blauen Planeten seit 50 Millionen Jahren bewohnen und mit ihrer geheimnisvollen Kommunikation und ausgeklügelten Kooperation vielleicht ein bedeutenderes Vermächtnis darstellen als alle menschlichen. Klingt pathetisch? Soll es auch! Doch Lièvre gleitet nie ab in den Kitsch, weil er als Regisseur viel zu viele Einfälle hat, um bequem eine sentimentale Schiene zu fahren. Seine über 18 Jahre gesammelten Bilder aus allen Weltmeeren kombiniert er kühn mit solchen des Universums oder mit Makroaufnahmen des Phytoplanktons, stellt einige kurzerhand auf den Kopf, um die Schwerelosigkeit unter Wasser zu spiegeln oder überblendet sie mit Bergketten, um die ungleich grösseren Gebirge in den Ozeanen anzudeuten. Fliegende, tanzende, turtelnde Wale also, und das zu einem Soundtrack, der die Walgesänge andeutungsweise in Jazz, Blues oder Triphop übersetzt. Da und dort zu viel des Guten? Das ist Geschmacksfrage, doch ein berückender Trip ist es auf alle Fälle. Spätestens bei der Krilljagd der Wale mit spiralförmigen Luftblasenwolken dürfte auch der härtestgesottene Anhänger konventioneller Tierdokus weich werden: Unglaublich clever. Und unfasslich schön!
Andreas Furler
