Charles Chaplin, USA, 1921o

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Ein armer Glaser nimmt ein Kind bei sich auf, das von seiner Mutter, die Opfer eines Verführers geworden war, ausgesetzt wurde. Das Kind zerschlägt Fensterscheiben, um seinem Adoptivvater zu helfen, der es vor den Wohltäterinnen rettet und es anschliessend seiner Mutter zurückgibt, die inzwischen reich geworden ist.

Der durchschlagende Erfolg von Chaplins erstem Langfilm stand in krassem Gegensatz zu den Schwierigkeiten seiner Entstehung. Neun Monate zogen sich die Dreharbeiten hin, überschattet von der Ehekrise zwischen dem Slapstickstar und seiner Frau Mildred Harris sowie dem Tod ihres gemeinsamen Kindes. Der Schnitt erfolgte unter abenteuerlichen Bedingungen und im Geheimen, weil Chaplin befürchtete, Harris’ Anwälte könnten den Film beschlagnahmen lassen. Hinzu kamen finanzielle Schwierigkeiten mit den Verleihern, die sich über die schleppende Produktion Sorgen machten. Von alledem ist in The Kid nichts zu spüren, als hätte der Film die Schicksalsschläge mit derselben Widerstandskraft überstanden wie seine Figuren.

Da ist also eine mittellose junge Mutter, die ihr Kind aussetzt. Auf Umwegen landet der Säugling in den Armen des Tramps, der sich schliesslich dazu durchringt, ihn grosszuziehen. Als abgebrannter Glaser zieht er mit dem Jungen durch die ärmlichen Vorstädte. Gemeinsam haben sie einen Trick ausgeheckt, der ihnen das Überleben sichert: Der Kleine wirft Fensterscheiben ein, die sein Ziehvater gleich darauf gegen Bezahlung repariert.

So wenig man sich den Film ohne Chaplins unverwechselbaren Watschelgang vorstellen kann, so undenkbar wäre The Kid ohne seinen Darsteller Jackie Coogan. Der Sohn eines Varietétänzers, damals gerade 6-jährig, verkörpert mit entwaffnender Natürlichkeit einen Strassenjungen mit unwiderstehlichem Lächeln, der sich bei handgreiflichen Auseinandersetzungen als überraschend harter Bursche erweist.

Seine besten Szenen und Gags hat der Film in der ersten Hälfte, die dem Alltag des Glasers und seines Ziehsohns gewidmet ist. Als die Fürsorgebehörde dem Tramp das Sorgerecht für den Jungen entziehen will, erfolgt ein Registerwechsel: The Kid kippt ins tränenreiche Melodram, um sich anschliessend in einer erstaunlichen Traumsequenz in surreale Fantastik zu flüchten, bevor ein Happy End das Ganze beschliesst.

Wie im Film wurde auch Jackie Coogan reich, doch sein Glück war von kurzer Dauer: Die Millionen, die er mit seiner Rolle verdiente, wurden von seiner Mutter und seinem Stiefvater verprasst.

Émilien Gür

Dazu passen:o

Filmdateno

Synchrontitel
Der Vagabund und das Kind DE
Le Kid FR
Genre
Komödie, Drama
Länge
53 Min.
Originalsprachen
Französisch, Englisch
Bewertungen
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ØIhre Bewertung8.2/10
IMDB-User:
8.2 (147434)
Cinefile-User:
< 3 Stimmen
KritikerInnen:
< 3 Stimmen

Cast & Crewo

Charles ChaplinA Tramp
Jackie CooganThe Kid
Edna PurvianceMother
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